FC Bayern: Mia san nur 6% Facebook


„Bild“-Social-Media-Chef Andreas Rickmann hat die Facebook-Kanäle der 18 Bundesligaklubs unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse sind verblüffend.

 

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die allgemeine Globalisierung schon längst Einzug in sämtliche Arterien der Fußball-Bundesliga gehalten hat.

Inzwischen wird der Saisonauftakt von Deutschlands Eliteliga in 210 Ländern dieser Welt übertragen. Währenddessen nutzen gleich mehrere Bundesligaklubs die Sommerpause dazu, mit mehrwöchigen Reisen durch fremde Kontinente neue Märkte zu erschließen. Beispiele, die eine deutliche Sprache sprechen.

 

Spitzenklubs mit einem Minimum an Deutschen Fans

 

Was kaum jemand weiß: Vor allem auf den Social-Media-Plattformen der deutschen Vereine spiegelt sich der Trend der stetig wachsenden Internationalisierung wider, wie Andreas Rickmann, Social-Media-Chef der „Bild“ vor kurzem auf seinem Blog belegte.

Wie Rickmann herausfand und sich unter anderem mithilfe des Analyse-Tools „Like Analyzer“ ermitteln lässt, kommen lediglich 11,6 Prozent der knapp 15 Millionen Facebook-Fans von Borussia Dortmund aus Deutschland. Von den gut 39 Millionen „Gefällt-Mir“-Angaben des FC Bayern stammen sogar nur rund 6,3 Prozent aus der Heimat.

 

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Wirft man einen Blick auf die restlichen 16 Klubs des Fußball-Oberhauses, fällt auf, dass die beiden deutschen Top-Klubs keinen Einzelfall darstellen. Sieben weitere Vereine haben ebenfalls mehr ausländische als einheimische Fans vorzuweisen. Im Schnitt liegt der Anteil internationaler Fans somit bei knapp 60 Prozent – Tendenz steigend.

 

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Auf der Suche nach möglichen Gründen für diesen Trend kommt man natürlich nicht an den sportlichen Erfolgen der jeweiligen Teams vorbei. Dass mit Bayern, Dortmund, Schalke und Leverkusen jene vier Vereine den höchsten Anteil internationaler Facebook-Fans aufweisen, die in der Regel in den europäischen Wettbewerben vertreten sind, ist gewiss kein Zufall. Dennoch ist es so, dass sich die Anzahl der „Gefällt-Mir“-Angaben nicht ausschließlich über den sportlichen Erfolg einer Mannschaft definiert.

 

Einzelne Spieler als Social-Media-Zugpferde

 

In einer Zeit, in der der Fußball mit jedem Jahr kommerzieller wird und bestimmte Persönlichkeiten vermarktet werden wie Produkte, können tatsächlich auch einzelne Spieler großen Einfluss auf die Social-Media-Kanäle ihres Arbeitgebers haben.

Ein von Rickmann angeführtes Beispiel ist hier der FSV Mainz 05, der in dieser Saison erstmals an einem europäischen Wettbewerb teilnimmt. Dennoch stammen gut 76 Prozent von dessen gut 440.000 Fans auf Facebook aus dem Ausland. Geht man ins Detail, fällt sogar auf, dass der Verein mehr Fans in Ägypten als in Deutschland hat.

 

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Der Grund für dieses Phänomen heißt Mohamed Zidan. Dieser ging zwischen 2005 und 2007 sowie 2012 für Mainz auf Torejagd. In seiner Heimat Ägypten gilt er als eine Art Volksheld. Wie groß Zidans Einfluss auf die „Gefällt-Mir“-Angaben seines Vereins ist, stellte er auch beim BVB unter Beweis. Mit den Borussen wurde er 2011 und 2012 Deutscher Meister. Auch heute noch machen ägyptische Fans dort die viertgrößte Fangruppe aus.

 

Chicharito sorgt für mexikanischen Boom

 

König dieser Disziplin ist allerdings der mexikanische Stürmer Javier Hernandez, der aktuell bei Bayer Leverkusen unter Vertrag steht. Ähnlich wie Zidan wird auch Hernandez, genannt Chicharito, in seiner Heimat verehrt wie ein Pop-Star. Nachdem der Werksklub im Sommer 2015 die Verpflichtung Chicharitos bekanntgab, schnellten die „Gefällt-Mir“-Angaben des Vereins auf Facebook nach oben. Allein das Präsentationsvideo des Mexikaners wurde über 270.000 Mal geklickt. Konsequenz des Ganzen: Heute hat Leverkusen rund fünfmal mehr Fans in Mexiko als in Deutschland.

 

„Global Player“ zeigen, was die Bundesliga erwarten könnte

 

Welche Auswirkungen eine umfassend globale Vermarktungsstrategie auf die Facebook-Fangemeinde eines Fußballklubs im Extremfall haben kann? Das zeigen einige „Global Player“ wie Real Madrid, der FC Barcelona, Manchester City oder der FC Chelsea.

Dort machen die einheimischen Anhänger nur noch einen minimalen Bruchteil der Internet-Fangemeinde aus. Während die Spanne spanischer Facebook-Fans von Real Madrid und dem FC Barcelona bei etwa 3 Prozent liegt, bewegt sich der Anteil englischer Anhänger von Chelsea und Manchester City sogar nur noch im Bereich von 2,5 Prozent.

 

 

Was bei den Zahlen sofort ins Auge fällt: Alle vier Vereine verorten ihre meisten Facebook-Fans in Indonesien. Purer Zufall? Mitnichten. Auf Nachfrage führt Social-Media-Fachmann Rickmann gleich mehrere mögliche Faktoren an: „Statistisch gesehen gibt es nur in den USA, Brasilien und Indien absolut betrachtet noch mehr Facebook-Nutzer als in Indonesien.“

 

Marketingstrategien schlagen an

 

Dazu komme, dass in der Vergangenheit immer mehr Vereine Reisen nach Indonesien auf die Beine gestellt hätten. Die Internationalisierungsstrategie der Klubs scheint auf dem weltgrößten Inselstaat demnach Früchte zu tragen.

Warum sich die Facebook-Gemeinde eines Fußballklubs zu größeren Teilen aus bestimmten Nationen zusammensetzt, ist aus der Ferne nicht immer plausibel zu erklären. Fest steht allerdings, dass das internationale Interesse an der Bundesliga schneller wächst als das in Deutschland selbst. Für die Vereine eine Herausforderung, aber auch eine Chance

 




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