Der Trend, Gewalt und Terror zu filmen und zu posten.

Faszination Live-Videos von Terror und Gewalt

Videos von Terroranschlägen oder Unfällen direkt in soziale Netzwerke stellen – Tendenz steigend.

Von Harald Engelhardt

Steht ihr auf blutende Menschen am Boden? Weinende Frauen mit ihren toten Kindern im Arm? Oder seid ihr mehr der „Abgerissene-Gliedmaßen-Typ“? Etwa nichts für euch dabei? Dann stellt sich mir aber die Frage, wer auf die Idee kommt, bei einem Terroranschlag oder Unfall direkt das Handy zu zücken und drauf zu halten, nur um es dann direkt bei Facebook und Co. zu posten. Auch kann ich mir dann nicht erklären, warum solche Videos millionenfach angeschaut werden, oder – völlig absurd – geliked werden.

 

Oh, eine Explosion. Wo ist mein Handy?

 

Wie kalt, gefühllos, abgebrüht oder einfach nur krank muss man sein, um bei oben beschriebenen Situationen nicht sofort an Flucht – oder bei mutig Veranlagten – an Hilfe zu denken? Aber nein, nicht flüchten, in der Gefahrenzone bleiben, sogar noch näher ran gehen für die beste Aufnahme. Was treibt Menschen zu so einem Verhalten? Es geht ihnen mit Sicherheit nicht um eine mögliche Beweissicherung für die Behörden. Das direkte Hochladen mit dem eigenen Profil indiziert eine viel perfidere Motivation. Nämlich die Bereicherung des eigenen Egos. Wann hat man schon mal einen Post mit mehreren hunderttausend Aufrufen? Da kommt man sich doch wahnsinnig wichtig vor, nicht wahr?

 

„Ich tue doch keinem weh“

 

Nein, ein Verbrechen begeht man bei einem solchen Verhalten nicht direkt. Schneller sterben wird keiner weil er beim Verrecken gefilmt wird. Aber unter Umständen würde er nicht sterben, wenn man nicht das Handy in die Hand nimmt, sondern etwas, um Wunden abzudrücken. Das eigene Hemd zum Beispiel. Davon abgesehen steht ihr mit eurem verdammten Smartphone aber auch im Weg! Je mehr Platz die Rettungskräfte haben, umso besser. Und sie müssen keine Zeit damit verschwenden, euch in Sicherheit zu – Achtung – zwingen! Man könnte noch viel mehr negative Folgen solchen Handelns aufzählen. Aber die Mehrheit von euch wird sicher nicht zu diesem Pack gehören, also versteht ihr, was ich meine.

 

Die Folgen des Postens

 

Konstruieren wir mal einen Fall: Terroranschlag, Täter auf der Flucht. Irgendein Idiot filmt die Einsatzkräfte. Der Täter, natürlich auch mit Smartphone ausgerüstet, sieht das Video zufällig. Und er sieht die Stelle, an der die Polizei absichert beziehungsweise nach ihm sucht. Mit diesem taktischen Vorteil ausgerüstet, richtet er an einem anderen Ort weiteren Schaden an oder flieht einfach.

Zu weit hergeholt? Wie wäre es damit: Irgendein Idiot filmt die Einsatzkräfte. Der verfickte IS, nicht mit einem Kamerateam vor Ort, freut sich über die Leistung des unfreiwillig freiwilligen Mitarbeiters und kann den Anschlag sogar mit Bild, Ton und Blut für sich beanspruchen.

Und jetzt mal auf die ganz persönliche Tour: Wie geil würdet ihr es finden, wenn auf einem solchen Video ein Familienmitglied oder ein Freund zu sehen ist? Vorzugsweise beim Sterben. Denn das, so erscheint es mir oft, blenden sowohl die digitalen Gaffer, als auch der Zulieferer, also der Arsch mit dem Handy, konsequent aus. Die sterbende Frau ist von irgendjemandem die Tochter/ Mutter/ Schwester/ Freundin und so weiter. Und dieser jemand hat sicher auch Facebook …

 

 




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