Feministische Bilder

Feminismus als Trend – Nice oder Scheiße?

Die Vogue kürt ihn zum Fashion Trend und Social-Media-Stars schmücken sich mit ihm  – Feminismus trendet.

von Michelle Sensel

Es ist nur ein einfaches weißes Shirt, das plötzlich die Modewelt auf den Kopf stellt. Wo sonst extravagante Schnitte und fancy Farben ein Muss sind, tragen die internationalen Stars und Influencer nun schwarze Schrift auf weißem Shirt. Langweilig würde man meinen, doch das T-Shirt, um das es sich handelt, trägt nicht irgendeine Aufschrift, sondern eine klare Aufforderung: „We should all be feminists“.

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2017 ist das Jahr des Feminismus – zumindest, wenn man die Mode- und Medienbranche fragt. Nicht nur Dior feiert mit feministischem Gedankengut profitable Erfolge, sondern so gut wie jedes Modehaus, das einen guten Trendscout hat.

 

Alice Schwarzer oder Bandshirt?

 

12-Jährige Mädchen tragen Jacken mit Aufnähern wie „Girl Squad“ oder „Feminist“ und stellen ihr neu erworbenes Teil auf Instagram zur Schau. Ja, 2017 kommt es äußerst gut an, wenn man mit schicken Teilen signalisiert, Feminist zu sein. Nimmt das der eigentlichen Bewegung ihre Ernsthaftigkeit?

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Machen wir einen kleinen Ausflug in die Welt der Bandshirts. Auch sie kann man mittlerweile in jeder Modekette kaufen. Ein eingefleischter Nirvanafan wird dich immer dafür hassen, dass du ein Bandshirt anziehst, obwohl du keinen blassen Schimmer davon hast, wer Kurt Cobain ist. Du trägst das Shirt, weil es dir gefällt, du es cool findest und du jemanden auf Insta gesehen hast, der das Gleiche trägt. Die Musik ist dabei Nebensache. Nicht aber für den Nirvanafan. Er will, dass du die Musik fühlst, die Songtexte verstehst und die Bandgeschichte kennst.

 

Trends sind oberflächlich

 

Ähnlich ist es wohl mit dem neuen Trend-Feminismus. Die meisten tragen die Teile nur, weil sie gerade super trendy sind. Viele Menschen wird das unglaublich nerven, denn ein Trend kratzt meist eben nur an der Oberfläche.

Bei dem „Girl Squad“-Ding im Netz geht es vor allem um die Frau als Individuum, das Beyonce-Business-Girl, das es allein zur großen Nummer geschafft hat. Dabei geht eigentlich um so viel mehr – beispielsweise  um die Frauen, die dein H&M-Feministen-Shirt zu einem Hungerlohn zusammengenäht haben.

 

Nervig aber okay

 

Andererseits ist ein Trend auch immer ein Anfang. Da, wo Tausende Insta-Stars auf einmal Nippel zeigen um Aufmerksamkeit, Follower und damit Geld zu generieren, hat irgendwer mal damit angefangen, um tatsächlich auf Ungleichheit aufmerksam zu machen. Besonders junge Menschen erreicht man nun mal über ihre Lieblingsinfluencer. Sie fangen an, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, denken darüber nach und beginnen im besten Fall damit, zu hinterfragen.

Am Ende ist es vielleicht ein bisschen wie wenn Celebrities medienstark eine Schule in Afrika aufbauen. Es kotzt uns alle an, dass daraus Profit geschlagen wird, aber wenn daraus etwas Gutes entsteht, können wir damit leben.




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