Spielgeld

Crowdfunding: Rettet die YouTuber!

Immer mehr YouTuber beschweren sich über sinkende Einnahmen. Könnte Crowdfunding via Patreon ihre Rettung sein? 

Von Michelle Sensel

Sie sind sauer, sie leiden, sie rufen zur Spende auf – es ist wie in einem schlechten Horrorfilm: Immer mehr große YouTuber beschweren sich darüber, dass ihre durch Werbung generierten Einnahmen im Keller sind. Der Grund für diesen grausamen Verlust ist, dass YouTube selbst in den letzten Wochen einige große Werbepartner verloren hat, weil deren Werbung vor unpassenden oder rassistischen Videos abgespielt wurde. Doch was nun? Wird das heißbegehrte YouTube-Money jetzt wertlos und die YouTuber selbst arbeitslos sein?

Es gibt mehrere Wege, mit denen YouTuber auch ohne das klassische YouTube-Money Geld verdienen könnten. In den Kommentarspalten ist man sich bei vielen großen YouTubern jedoch relativ einig:

 

Was tun ohne YouTube-Money?

 

Was soll ich sagen? Rote Kreise, Thumbnails, irreführende Titel – es scheint, als sei YouTube zur überdimensionalen Bild-Zeitung geworden, mit dem Unterschied, dass sich sehr junge Menschen tatsächlich für den Trash-Content interessieren. Mit guten Inhalten, weswegen man den Menschen dahinter Erfolg und einen guten Verdienst wünscht, hat das nicht viel zu tun. Da ist es kein Wunder, dass man in den Kommentarspalten nicht viel Verständnis für die ihr Leid klagenden YouTuber findet. YouTube arbeitet jetzt daran, besser zu kontrollieren wer Werbung schalten darf und wer nicht. Künftig sollen YouTuber erst Geld mit ihren Videos verdienen können, wenn sie mit ihrem Account 10.000 Views generiert haben. Ein Grund sich zu fragen: „Was tun, wenn das YouTube-Money nicht mehr ausreicht und die Fans nicht noch mehr Product Placement ertragen können?“

 

Gönnen mit Patreon

 

Vielleicht einen Patreon-Account erstellen. Die amerikanische Crowdfunding-Plattform soll Künstlern aller Art dabei helfen, ihre Projekte zu finanzieren. Anders als bei anderen Crowdfunding-Plattformen – bei denen es meist darum geht, mit einer einmaligen Spende ein Projekt zu realisieren – geht es bei Patreon um dauerhafte Spenden. Künstler bieten ihren Unterstützern an, ihnen mit kleinen regelmäßigen Spenden auszuhelfen, um so ihr nächstes Projekt finanzieren zu können. Bei Comic-Zeichnern kann das der nächste Comic sein, bei Podcasts der nächste Podcast und bei YouTubern eben das neue Video. Jeder kann einsehen wie viel Geld bereits gespendet wurde und wer gespendet hat. Meist belohnen die Künstler ihre „Patrons“ („Gönner“) dann mit Extra-Footage oder exklusiven Inhalten, die nur auf Patreon zu sehen sind.

 

Könnte kritisch werden

 

Nun. Stellen wir uns vor, BibisBeautyPalace, DagiBee, die Slimanis und co. rufen ihre jungen Zuschauer dazu auf, ihnen mit regelmäßigen Spenden dabei zu helfen, ihr nächstes Video zu finanzieren. Es treten mehrere technische und kulturelle Schwierigkeiten auf:

1. Wie erkläre ich als 12-Jähriger „Bibinator“ meiner Mutter, dass sie mir bitte ein PayPal-Konto auf ihre Kreditkarte einrichten soll, damit ich meinem heißgeliebten YouTube-Star mein Taschengeld überweisen kann?

2. Warum sollte ich als 21-Jährige Studentin mein hart verdientes Geld in Müll investieren?

3. Warum sollte ich als Deutscher, der Spenden sowieso nicht gewöhnt ist, überhaupt für etwas freiwillig Geld ausgeben, das ohnehin kostenfrei ist?

 

Nur für „die Guten“

 

Sind wir mal ehrlich: Patreon ist mit Sicherheit eine gute Möglichkeit für Künstler, ihre Arbeit honorieren und finanzieren zu lassen. Allerdings sind Menschen und vor allem wir Deutsche von Natur aus nicht sonderlich motiviert, jemandem Geld zu spenden, der seine Inhalte sowieso produzieren würde und/oder uns nichts greifbares zurückgibt. Dann muss der Inhalt schon sehr gut sein. Man muss den Menschen dahinter mögen, seine Arbeit für gut heißen und ihn wirklich, aktiv unterstützen wollen. Einige deutsche Podcasts haben es in den letzten Jahren tatsächlich geschafft, Patrons zu finden, die ihr Projekt unterstützen. Auch einige ASMRtists berichten von guten Erfolgen. Im restlichen YouTube-Deutschland kommt man erst seit dem Werbeeinnahmen-Problem auf den Patreon-Geschmack.

 

Ein Appell an die Eltern

 

Es wäre sicherlich spannend zu sehen, wie viel deutsche 0815-YouTuber verdienen würden, gäbe es kein YouTube-Money mehr, sondern nur noch die freiwilligen Spenden ihrer Fans. Es wäre interessant zu wissen, wie viele Menschen tatsächlich aktiv investieren würden. Mit jeglichem Merch klappt das ja schon. Aber würden die meist sehr jungen Fans und vor allem deren Eltern tatsächlich so weit gehen, mit regelmäßigen Spenden Video-Content zu finanzieren? Wahrscheinlich. Denjenigen, die tatsächlich daran interessiert sind Kunst zu machen und sich ernsthafte Gedanken über die Message machen, die sie nach außen tragen, würde man es gönnen. Bei allen anderen bleibt die Hoffnung, dass sich am Ende doch zeigt, wie gut ihre „Kunst“ wirklich ist.

 




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