Porno-YouTuber als Vorbilder für Kids?

Nix mit Schminkvideos oder Let’s Plays – Die Vorbilder der Generation Z sind YouTuber, die Penisbilder bewerten…

von Florian Rieger

Haben Kids von heute fragwürdige Online-Vorbilder?
Fragwürdige Vorbilder?

 

“Hey, Schwestern! I know, Nackenkissen on fleek und wo ist mein Ohr, der Hurensohn? Ahja ok.” – Ich wünschte, ich könnte behaupten, dass diese fancy Begrüßung meinem Kopf entsprungen ist. Nur leider geht das Ohr, der Hurensohn, auf das Konto von Serg Darling. Wenn ihr euch jetzt fragt “Muss man den kennen?”, lautet die Antwort ganz klar: Ne. Doch das könnte sich bald ändern. Denn obwohl Serg Darling auf Facebook erst knappe 20.000 Abonnenten zählt, spaltet er auf sozialen Plattformen die Gemüter. Und das funktioniert in diesem Business vor allen Dingen mit Provokation. Serg Darlings Markenzeichen sind seine auffälligen, pink gefärbten Augenbrauen und seine offenherzige Art was sein Sexualleben angeht. Er bekennt sich offen zu seiner Homosexualität und teilt seine aktuellsten Schnackselgeschichten ungeniert mit seiner Fanbase. Dabei kann man sich nicht wirklich entscheiden, ob man seine flapsigen Sprüche abfeiern oder sich für so manches Statement fremdschämen soll. Damit ihr wisst, was ich meine, empfehle ich euch vom folgenden Video (NSFW), in dem Serg verliebt vom amtierenden Dschungelkönig Marc Terenzi schwärmt, berieseln zu lassen.

 

 

Kein Blatt vor den Mund

 

Im Grunde wirkt Serg Darling nur wie ein harmloser Kanarienvogel, der eben gern übers Ficken redet. Und das wäre auch nicht schlimm. Doch dann erfuhr ich, dass sogar der zwölfjährige Sohn meines Cousins seine Videos kennt. Achja, und übrigens auch alle anderen Kinder in seiner Klasse. Ich weiß ja nicht, was ihr mit Zwölf so gemacht habt. Aber ich hab damals noch bitter geweint, als mein brandneues Beyblade bei seinem ersten Start direkt in 1.000 Teile zersprungen ist. Zu der Zeit hätte ich nichts mit dem Begriff “Analplug” anfangen können, oder “Bukkake” oder einfach nur Sex. Gut vielleicht bin ich ja mittlerweile auch schon vom alten Schlag. Die Technik ist von der Jugend nicht mehr wegzudenken, ja ok. Aber liege ich falsch in der Annahme, dass solche ungefilterten, überwiegend sexuellen Themen für Kinder in diesem Alter eher ungeeignet sind und sie davor geschützt werden sollten? Naja, vielleicht versteht man das heutzutage als Real-90s-Kid nicht mehr so, und das Aufwachsen mit dem Internet lässt einen dann doch schneller reifen.

 

Serg Darling nimmt ein Bad in Schleim!
Videos mit Mehrwert

 

Aber gut, Serg Darling ist mit seiner sehr überschaubaren Abonnentenzahl noch keine große Gefahr. Andere zweifelhafte Vorbilder, gerade in der YouTube-Szene sind jedoch weiterhin auf dem Vormarsch, und deren Abonnenten übersteigen die Million leicht. Wenn es doch nur die endlosen Produktplatzierungen im Stile von Sami Slimani, Dagi Bee und Co. wären, mit denen nach dem Taschengeld der jungen Zielgruppe geangelt wird. Aber warum den Kiddies nur das Geld aus der Tasche ziehen, wenn man ihnen auch noch ein zweifelhaftes Vorbild sein kann? Das dachte sich auch eine gewisse Katja Krasavice, die seit vergangenem Jahr in der deutschen YouTube-Szene durch die Decke geht. Die lispelnde Plastikblondine mit den XXL-Kazongas schart auf der Videoplattform mittlerweile gut 800.000 Abonnenten um sich, und zählt damit zu den einflussreichsten Big Playern im Biz.

 

Videotitel wie bei YouPorn

 

Auch Katja nimmt wie Serg kein Blatt vor den Mund und erzählt ihrem größtenteils minderjährigen Publikum allerlei Bettgeschichten und Fickabenteuer. Mit Videotiteln wie “Fan hat auf mein Gesicht gespr*tzt!” oder “OMG! SO sah mein A*SCH FRÜHER AUS!! :O” lockt man pubertierende Jungs eben mal schnell vor den Bildschirm. Aber natürlich bietet Katja auch Service für die Girls, zum Beispiel in Form ihres Ratgebervideos “VAGINA HACKS!” (Ein crazy Hack ist übrigens, sich ab und an mal untenrum zu waschen. Danke dafür!). Auch wenn ich davon ausgehe, dass die meisten von euch schon mal was von der Pornoyoutuberin Nummer Eins gesehen haben, folgt hier ein Paradebeispiel aus der Rubrik “Interaktion mit der Community”:

 

 

Katja Krasavice spielt wie Serg ganz bewusst die Provokationskarte, und das mit großem Erfolg. Das liegt auch vor allem an ihrer Ich-bin-ne-Bitch-und-das-ist-auch-gut-so-Einstellung, die sie stolz nach außen hin vertritt. Stets betont Krasavice, wie viel Hate sie tagtäglich ausgesetzt ist und wie dankbar sie doch jeeeedem einzelnen Fan für den Support ist. Sowas ist doch sympathisch. Das schweißt die Community mit dem “Künstler” zusammen. Da wundert es niemanden, dass täglich neue Fan-Seiten auf Facebook, Instagram und Co. aus dem Boden schießen. An der folgenden Insta-Page kann man sehr schön erkennen, auf welches Podest die jungen Fans ihr YouTube-Vorbild (hier mit Verstärkung von Busenfreundin Lucycat) setzen:

 

Instagramprofil: @katjakrasavice.mrsbitch
Instagramprofil: @katjakrasavice.mrsbitch

 

Instagramprofil: @katjas__liebling__
Instagramprofil: @katjas__liebling__

 

Dass die Videos hochgradig sexuell sind und auf YouTube in den meisten Fällen nicht einmal eine Altersbeschränkung haben ist dabei nur die eine Seite. So könnte ich den Hype um einen YouTuber dann noch verstehen, wenn dieser qualitative Videos liefert. Sich so viele Wiener Würste wie möglich in den Mund zu stecken – wir alle wissen, was die selbsternannten Bitches uns damit suggerieren wollen – und dabei noch 5 Mal “Meica macht das Würstchen” in die Kamera zu nuscheln ist zumindest aus meiner scheinbar verstaubten Sicht kein hochwertiger Videoinhalt.

 

Was ein Mann will, und was ein Mann nicht will
Verdrehte Welt

 

Auch wenn es derzeit nicht danach aussieht, hoffe ich, dass es da draußen noch Kids gibt, die sich eher die Gitarrenskills eines Slash oder die Schauspielkunst einer Jennifer Lawrence zum Vorbild nehmen, und nicht die Fähigkeit einer Pornoyoutuberin, in möglichst vielen Kondomen zu baden. Egal wie düster es derzeit aussieht, will ich meinen Glauben an die Jugend nicht aufgeben!

 




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