Slimanis

Kardashians und Slimanis: Der Familienname als Marke

Selbstvermarktung über Social Media: Zwei Familienclans haben dieses Prinzip perfektioniert.

von Yannic Stock

Coca Cola, Apple, Volkswagen – Markennamen, die bei uns allen sofort Assoziationen wecken: Zu viel zu süßer, koffeinhaltiger Limonade (die wir natürlich trotzdem trinken), zu maßlos überteuerten Lifestyle-Tech-Produkten (für deren Erwerb wir natürlich trotzdem schon Monate vorher das Bafög zur Seite legen) und zu qualitativ hochwertiger Automobilproduktion made in Germany (der wir trotz Abgasskandal weiterhin blind vertrauen). Trotz ihrer wohlbekannten Schattenseiten verkaufen sich die Produkte dieser Konzerne nach wie vor wie geschnitten Brot – weil sie für eine Marke stehen, die sich von den Mitbewerbern abhebt.

Schon seit jeher ist es so, dass sich der Begriff der Marke auch auf Personen des öffentlichen Lebens übertragen lässt. Vor allem die Unterhaltungsindustrie formt aus Schauspielern und Musikern Charaktere, deren Karrieren immer wiederkehrende Schemata erkennen lassen und deren Namen für eine bestimmte Musikrichtung, ein bestimmtes Styling oder einen bestimmten Typ von Rolle stehen. Was wir hingegen erst seit kurzem beobachten können ist, dass auf den ersten Blick scheinbar vollkommen talentfreien Menschen gelingt, woran Hollywood-Agenten bei vielen ihrer Klienten verzweifeln: Sich eine persönliche Marke aufzubauen.

Personal branding in Bestform: die Kardashians

Die unangefochtene Mutter des personal brandings ist dabei eindeutig der Kardashian-Clan. Wer hier wer ist – und vor allem, wofür und warum die Familie beziehungsweise ihre einzelnen Mitglieder überhaupt bekannt sind – ist für Späteinsteiger heute nur noch schwer nachzuvollziehen. Long story short: „Momager“ Kris Jenner (der Begriff wird häufig von der US-Presse verwendet und ist ein Wortspiel aus der befremdlichen Rollenmischung aus Mom und Manager, die Kris dabei einnimmt) war in erster Ehe verheiratet mit Robert Kardashian, einem der bekanntesten Anwälte der USA.

Mit ihm bekam sie die vier Kinder Khloé, Kourtney, Kim und Robert Junior. Später heiratete sie den Leichathletik-Star Bruce Jenner (heute bekannt als Caitlyn Jenner), der Vater der Töchter Kendall und Kylie. Kris und ihre Kinder besaßen also eine gewisse Grundbekanntheit und waren immer Teil der High Society. Wirklich bekannt wurden sie allerdings erst, als im Jahr 2007 ein privates Sextape von Kim veröffentlicht wurde. Angeblich hatte der „Momager“ hier seine Hände im Spiel – alles für den Fame!

Seitdem ist der Erfolg der Familie so erstaunlich wie ungebrochen: Die Reality-Show Keeping up with the Kardashians läuft in der mittlerweile dreizehnten Staffeln und brachte zahllose Spin-Offs zu den einzelnen Familienmitgliedern hervor. Eigene Mode- und Kosmetiklinien sind eine weitere, solide Einnahmequelle. Jeder Schritt ist dabei wohlgeplant und nichts wird dem Zufall überlassen. Läuft doch mal etwas schief, oder tut sich ein Skandälchen auf – dann schluckt der Erfolg der starken Marke „Kardashian“ dieses Problem einfach.

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Kylie, Queen of Snapchat

Mittlerweile besetzt jede der Schwestern eine eigene Marketing-Nische: Khloé ist beispielsweise die sportliche, während Kendall das High-Fashion-Model symbolisiert. Kim galt lange als unangefochtene Cash Cow des Familienimperiums: Schließlich hat der gesamte Clan ihr, der bekanntesten Kehrseite der Welt, ihren Erfolg zu verdanken. Doch mittlerweile läuft die jüngste Schwester Kylie ihr den Rang ab. Sie gilt als der neue Star der sozialen Netzwerke: Während sie bei den weltweit beliebtesten Instagram Accounts mit knapp 76 Millionen Followern „nur“ Platz 7 belegt (Schwester Kim liegt mit 84,5 Millionen auf Platz 5, hat aber auch einige Jahre medialen Vorsprung) ist sie zugleich und offiziell bestätigt die unangefochtene Queen of Snapchat: Zwischen 8 und 9 Millionen Teens und Twens schauen sich hier ihr Storys an – in denen sie hauptsächlich im Auto sitzt und Lipsync zu ihrem aktuellen Lieblingssong macht.

Das muss man nicht mögen – aber mit Erfolg nutzt sie Social Media gezielt, um ihre Marke aufzubauen. Junge Mädchen himmeln sie dafür an, während Eltern das ganze fraglich sehen: Schließlich ist Kylies Körper trotz ihrer gerade einmal 19 Jahre bereits von zahlreichen Schönheits-OP’s vermarktungsgerecht geformt worden und sollte daher eigentlich keinem heranwachsenden Mädchen als Ideal und Vorbild dienen.

Aus dem Kinderzimmer auf den roten Teppich

Ebenso so vermarktungsgerecht aus dem Ei gepellt – und trotzdem mit einem bei weitem weniger bedenklichen Vorbild-Faktor – zeigt sich ein Geschwister-Trio aus Stuttgart: die Slimanis. Als Herr Tutorial wurde Bruder Sami einer der ersten deutschen Youtube-Stars – schon lange, bevor das der Traumjob Millionen von Jugendlicher war. Seit 2009 ist er auf der Videoplattform unterwegs, gibt wöchentlich Tipps zum Umgang mit nervigen Eltern, dem perfekten ersten Date oder reiner Haut dank Kaffeesatzpeelings. Er selbst bezeichnet sich als „All-in-One-Guru“, und das kommt bei der Zielgruppe unter zwanzig Jahren an. So war es auch nur eine Frage der Zeit, bis neben dem schönen Sami auch seine ebenso bildschirmgerechten Schwestern Lamiya und Dounia ins Rampenlicht rücken.

 

Dass sie nicht immer so blendend aussahen, macht sie für ihre Fans natürlich noch sympathischer. Diese können sich mit den Geschichten über Akne, Übergewicht und Mobbing oft bestens identifizieren. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis die Geschwister ihre Anhänger an dem Geheimnis ihres Erfolgs teilhaben lassen: Mit dem Ratgeber Das Slimani Prinzip landeten sie sogar auf Platz 9 der Spiegel-Bestsellerliste. Wer knapp 15 Euro investiert bekommt dann nützliche Tipps zum „perfekten faulen Tag“ (der bei den Slimanis von vorne bis hinten durchgeplant ist) oder Shopping-Tipps zum richtigen Einkauf bei Primark. Dass dieses Prinzip gar nicht so leicht ist, mussten andere Redakteure bereits auf schmerzhafte Art und Weise erfahren. Dennoch – der zunehmende Erfolg der drei verdeutlicht, dass dieses Prinzip scheinbar durchaus seine Stärken haben muss.




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