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Wie Facebook und Co. Beziehungen zerstören

Jeder Dauersingle kennt es. Da lernt man endlich jemanden kennen und ist sich seiner Sache sicher, wird’s auch schon wieder kompliziert.

Von Amelie Lingner

Es gibt viele Faktoren wie eine glückliche Beziehung den Bach runter gehen kann, aber in unserer heutigen Zeit, in der sich alles um Smartphones und Internet dreht, tauchen Gründe auf die vor einiger Zeit noch unvorstellbar waren. Man kann es nicht anders sagen: die Liebe im 21. Jahrhundert ist um einiges schwerer geworden und besteht aus einem zerbrechlichen Netzwerk sozialer Beziehungsfallen.

 

Der steinige Weg zur Partnerschaft

 

Es geht los beim Kennenlernen. Ob bei Tinder, Lovoo oder ganz klassisch im „wahren“ Leben, ­­wie beispielsweise bei einem Flirt im Club oder im Café um die Ecke – potentielle Partner sind schnell zu finden. Man fängt an sich regelmäßig zu schreiben und verbindet sich auf verschiedenen Sozialen Netzwerken miteinander, wie das nun mal so ist. Und schwuppsdiwups ist es passiert: Neugierig wie man ist, nimmt man auch schon direkt das Profil seines neuen Schwarms unter die Lupe. Die einen mehr die anderen weniger (Seien wir ehrlich: man tut es eher mehr als weniger). Man kennt sich gerade einmal ein bis zwei Tage und hat schon den genauen Überblick darüber, welche Bands er mag, welche Freunde er hat, wer zu seiner Familie gehört und was er im Oktober 2013 um 15:25 Uhr getrieben hat. Dank der Facebook-Chronik hat man eben alles wie auf dem Silbertablett vor sich stehen.

Direkt am Anfang des Kennenlernens mit so vielen Informationen von einem bisher noch eigentlich unbekannten Menschen umzugehen, ist nicht gerade vorteilhaft. Ein komplett anderer Eindruck wird im Kopf erstellt und man konzipiert schon jetzt verschiedene Fantasien. „Wer ist dieses Mädchen neben ihm auf dem Bild, das er vor zwei Jahren hochgeladen hat?“ „Wieso hat er die Seite „Single sein ist geil“ geliked  und „Wer zum Henker ist diese Lisa, der nahezu jedes Bild von ihm gefällt?“ Zu viele Einblicke in die Vergangenheit oder Interpretationen in Fotos und „gefällt-mir- Angaben“ machen schon den Anfang einer möglichen Beziehung zu einer zerbrechlichen und schwierigen Aufgabe.

Trotz der heiklen Anfangsprobleme hat man sich dennoch dafür entschieden den Schritt in eine Beziehung zu wagen. Herzlichen Glückwunsch. Wir kommen somit zum nächsten Punkt unserer Reise.

Quelle: Pexels

 

Die digitale Eifersucht 

 

Juhu, endlich kein Single mehr. Jackpot! Sofort wird der Status auf Facebook von „Single“ zu „In einer Beziehung“ geändert, damit auch jeder mitbekommt, dass man auf dem Singlemarkt nicht mehr zu haben ist und nicht mehr angesprochen, geschweige denn angeschrieben werden will. Die ersten #relationshipgoals-Bilder werden auf allen Kanälen geteilt und man postet sich gegenseitig Herzchen unter seine Bilder.

Aber so sehr wir in unserem Liebesrausch sind, so sehr macht es uns auch verrückt, wenn der Partner Fotos des anderen Geschlechts auf Facebook und Instagram liket oder Personen im WhatsApp-Verlauf auftauchen, die weder zur Familie noch zum Freundeskreis gehören. Hier öffnet sich ein WhatsApp-Chat, da sieht man ein Messenger-Plausch im Augenwinkel aufblitzen oder macht ein Instagram-Herz zu viel. Na, wer kennt es nicht? Dieses unangenehme Gefühl im Bauch und das Stechen im Magen und im Herzen. Ja, ihr kennt es alle, denn jeder Mensch war schon mal eifersüchtig und hat sowas bereits erlebt. Soziale Netzwerke und Eifersucht sind mittlerweile wie zwei unangenehme Faktoren, die einander negativ beeinflussen. Der Teufelskreis nimmt seinen Lauf und es folgt weniger Vertrauen und Unsicherheit in einer Beziehung. Garantiert nicht die besten Voraussetzungen für ein glückliches Zusammenleben.

Quelle: gettyimages/ Astarot

 

„Er ist online, doch er schreibt nicht“

 

Und wie gesagt, wenn es erst mal angefangen hat macht man(n) oder Frau sich erst richtig Gedanken und mit richtig, meine ich über ALLES. „Wann war er das letzte Mal online?“, „Warum ist er online und schreibt nicht?“, „Mit wem schreibt er, wenn nicht mir?“ und „Wieso verdammt nochmal war er um 2:00 Uhr nachts noch mal online, wenn er sich schon um 22:00 Uhr zum Schlafen verabschiedet hat?“ Wer sind eigentlich diese Machos, welche die Frau, die man liebt, mit außerordentlicher Regelmäßigkeit in ihre Facebook-Freundesliste aufnimmt, sobald sie feiern war?“ Panik macht sich breit und man malt sich die schrägsten Szenarien aus. Facebook, Whatsapp und Instagram verbinden Menschen, aber entzweien Paare.

Es entsteht einfach eine neue Art der Eifersucht, die wie ein Schlag ins Gesicht auf die Liebe wirkt und Supermänner (oder Frauen) in misstrauische Überwachungs-Fanatiker verwandelt. Soziale Netzwerke sind wie ein offenes Tagebuch, welches die Eifersucht, des meist eh schon misstrauischen Partners, noch mehr steigern kann. Wer die Profile des anderen ständig checkt und beobachtet, sollte im Hinterkopf behalten, dass er sich selbst damit gar keinen Gefallen tut, denn das macht das Ganze letzten Endes nur noch schlimmer und beflügelt die eigenen Fantasien.  Aber man muss dennoch zu geben: wenn dein Freund ständig alle möglichen Selfies von anderen Mädels liked, kommentiert und ihnen sagt, wie gut sie aussehen, ist das total nervig!

 

Die Dosis macht das Gift

 

Die Nutzung des Smartphones beginnt oftmals schon vor dem ersten Kaffee, direkt nach dem Aufstehen und endet erst kurz vor dem Wegdösen im Bett am Abend. Allein, weil man beim endlosen Scrollen durch Facebook, Instagram, WhatsApp und Snapchat schon viele wertvolle Stunden vergeudet, gelten die sozialen Netzwerke als Beziehungskiller. Nehmt es euch zu Herzen und investiert diese Stunden besser in die Liebe.

Natürlich kann ein Smartphone ebenso ein super Instrument sein, um mit seinem Partner regelmäßig in Kontakt zu bleiben. Trotzdem sollte man die Zweisamkeit, die man mit seinem Partner teilt, genießen und das Handy auch mal weglegen oder noch besser bewusst ausschalten. Und wenn man momentan keine gemeinsame Zeit verbringen kann, dann: dem Partner einfach mal Freiraum lassen und ihm vor allem Vertrauen entgegen bringen. Sich nicht verrückt machen hilft da besonders gut. Es gibt nämlich hunderte Gründe, warum man in dem Moment mal keine schnelle Antwort bekommt und in 99 Fällen hat es nichts mit einer anderen Frau oder einem anderen Mann zu tun, versprochen.




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