Zwischen Einhorn-Kuchen und Leberwurst-Leckerli

Wie sich Pinterest-Rezepte im #REALLIFE Test machen

von Maren Adrian

Einhorn-Käsekuchen? Klingt irgendwie kompliziert. Ich brauche etwas Einfaches, ohne viel Tamtam. Ich scrolle also mit dem Finger weiter nach unten: „Sommerliche Beerentarte“. Klingt lecker und gar nicht so schwer. Außerdem liebt mein Opa Beeren. Seine Geburtstagsparty steigt um 15 Uhr und ich soll für die Verpflegung sorgen. Das ist in genau vier Stunden. Mir bleibt also nicht mehr viel Zeit, um zu überlegen welchen Kuchen ich backen will. Ich brauche Ideen. Und zwar ziemlich flott. Deshalb bin ich auf Pinterest. Eine Plattform für Leute, die Ideen und Inspiration suchen. Also genau das Richtige für mich. Bisher war ich immer nur mal flüchtig auf der Seite und habe ein bisschen rumgescrollt und mir die netten Bilder angeschaut.

Erster Versuch: Sommerliche Beerentarte

Rezeptideen, Bastelanleitungen, Reise- und Schminktipps: Auf Pinterest kann man so ziemlich alles finden. Selbst ausprobiert habe ich aber noch nichts. Heute wird dann wohl das erste Mal. Ich will wissen, was die Rezepte auf Pinterest eigentlich taugen.

Also ein Klick auf die sommerliche Beerentarte. Um das Rezept komplett angezeigt zu bekommen werde ich auf einen Blog weitergeleitet. Yvonne, 34 und Mutter einer kleinen Tochter lädt hier regelmäßig Backrezepte hoch, die angeblich jeder nachmachen kann. Außerdem fotografiert sie gerne. Das kann man sehen, denn ihre Beerentarte hat sie perfekt in Szene gesetzt. So wird das bei mir niemals aussehen. Eine gute Stunde später ist es dann vollbracht. Einfacher und schneller als erwartet. Und hey: Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Zwar nicht so perfekt fotografiert wie bei Yvonne, aber es kommt doch ohnehin auf die inneren Werte an. Und die haben überzeugt. Geschmeckt hat es allen. Erster Versuch Pinterest erfolgreich abgeschlossen.

Mein Ergebnis:

Ab in den Mixer: Frühstücks-Smoothie

Was kann dieses Pinterest eigentlich noch? Und lohnt es sich öfters mal die Ideen von anderen im echten Leben auszuprobieren? Mit großen Augen und leerem Magen stehe ich vor dem Kühlschrank. Wer schaut heutzutage eigentlich noch in Kochbücher? In meinem Alter bestimmt die wenigsten. Pinterest kennen dagegen viele. In der Kategorie „Essen und Trinken“ werde ich schnell fündig. Dort lächelt mich ein nettes Foto an: „Frühstücks- Smoothie mit Himbeeren“ steht darauf. Ein zweiter Blick in den Kühlschrank. Die sieben Zutaten, die man dafür braucht, habe ich alle da. Außerdem soll er nur in fünf Minuten fertig sein. Von mir aus kann es losgehen. Neun Nutzer haben ihn schon vor mir ausprobiert, sagt Pinterest. Nadine schreibt „sehr gut“, Lia schickt einen Daumen nach oben und Stefanie ein fett gedrucktes „lecker“ mit zwei Ausrufezeichen. Dazu hat sie ein Bild von ihrem nachgemachten Smoothie angehängt.

Ich stampfe und mixe bis ich nach rund fünf Minuten tatsächlich etwas hergestellt habe, das mit dem Smoothie auf dem Foto mithalten kann. Und das Beste: Geschmacklich kann er auch überzeugen. Zweiter Versuch Pinterest – erstaunlicherweise – ebenfalls erfolgreich abgeschlossen.

Mein Ergebnis:

Pinterest, du nervst ein bisschen

Mein Postfach ist mittlerweile mit E-Mails von Pinterest vollgestopft: „Neue Themen die dir gefallen könnten“ oder „Die neuesten Trends auf Pinterest merken“. Das nervt gewaltig. Irgendwie kann man das aber bestimmt abstellen.

Ich öffne also wieder die Pinterest App. Auf der Startseite sehe ich etliche Bilder von leckerem Essen. Ich könnte hier bis ins Unendliche scrollen, so viele Rezeptvorschläge werden mir angezeigt. An Ideen und Inspiration mangelt es hier wirklich nicht. Ich glaube hier finden nicht nur Ideenlose etwas Passendes, sondern auch Leute, die einfach Lust haben etwas Neues auszuprobieren. Ähnlich geht es mir auch. Gerade beim Kochen bin ich nicht die Kreativste und greife gerne auf die altbewährten Gerichte zurück. Deshalb finde ich Gefallen an Pinterest, um einfach auch mal etwas Neues zu testen und nicht jeden Montagabend Spaghetti Pesto zu essen.

Yummy Leberwurst-Leckerli

Ich sitze im Sessel mit dem Laptop auf dem Schoß. Mein Hund mummelt neben mir auf einer Decke. Ob Pinterest für Vierbeiner auch ein paar Ideen parat hat? Ich finde viele Bilder über die richtige Ernährung und Pflege von Hunden, Karten von den schönsten Hundestränden und eine Anleitung, wie man aus einem alten Regenschirm einen Regenmantel für Hunde basteln kann. Sogar wie man aus Holz einen Hundehütten-Couchtisch baut. Ein bisschen bewundere ich die Leute für ihre Kreativität. Ein Hundehütten-Couchtisch?

Zwischen den ganzen Bildern, entdecke ich auch viele Rezeptideen für Leckerlis. Ob mit Leberwurst, Thunfisch oder für Hunde mit Getreideallergien. Wer hier sucht, wird bestimmt auch etwas Passendes für sich bzw. seinen Vierbeiner finden. Ich entscheide mich für einen Klassiker: Die Leberwurst-Leckerlis. Mein Hund liebt schließlich Leberwurst, was kann da also groß schief gehen? Und tatsächlich: Auch diese waren nicht schwer zu machen und kamen bei meinem Hund sehr gut an. Somit wäre dann auch der dritte Versuch Pinterest erfolgreich abgeschlossen.

Mein Ergebnis:

Fazit

Nach drei geglückten Rezepten kann ich noch nicht beurteilen, wie einfach die Pinterest-Rezepte im realen Leben funktionieren. Vielleicht hatte ich einfach Glück. Glück, dass ausgerechnet die Rezepte, die ich ausprobiert habe, gut geklappt haben. Wahrscheinlich hätte es genauso gut schief gehen können. Der Test, ob die Rezepte, die auf Pinterest so nett dargestellt werden, überhaupt für den Normalo wie mich nachzumachen sind, hat in meinem Fall geklappt.

Wer Lust hat, in der Küche mal kreativer zu sein und offen für Neues ist, findet auf Pinterest bestimmt das Eine oder Andere Highlight. Mein Tipp: Die eigenen Ansprüche am Anfang etwas runter schrauben. Das heißt: Nicht gleich mit der anspruchsvollsten Torte anfangen, dann ist die Enttäuschung auch nicht so groß, wenn es doch nicht so hinhaut, wie man es sich vorgestellt hat. Außerdem muss man bedenken, dass die meisten Bilder auf Pinterest perfekt in Szene gesetzt werden. Im wahren Leben bekommt man es im aller wenigsten Fall genauso hin. Aber wer damit leben kann, dass sein Ergebnis nicht super perfekt wird, für den ist Pinterest gar keine schlechte Idee. Ach so: Man sollte sich auch von Pinterest Werbung in seinem E-Mail Postfach nicht gestört fühlen. Es sei denn man weiß, wie man es abstellt. Ich habe es noch nicht herausgefunden. Dafür mache ich mir jetzt erst mal einen Himbeer-Smoothie und probiere vielleicht doch noch mal den Hundehütten-Couchtisch aus…?

Leberwurst-Leckerlis
Dem kleinen Jacob schmeckt’s




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